Wer ganz unten angekommen ist, hat zumindest wieder festen Boden unter den Füßen…

Diesen Satz sagte die innerlich und äußerlich verstrickte Hauptfigur des Hörspiels, das ich auf meiner Fahrt von einem Kunden nach Hause hörte.

Der Satz, eigentlich nur als Nebensatz geäußert, hallte und hallt in mir nach. Gilt das (auch) für Konflikte? Eine Stimme in mir sagt sofort “Ja, natürlich!”. Wenn die Ernüchterung eingesetzt und die falschen Hoffnungen aufgehört haben, ist der Gewinn eine neue Klarheit. Diese Klarheit hilft mir, schneller meine verbleibenden Optionen zu erkennen, abzuwägen und zu bewerten. Ich kann mit dieser gewonnenen Klarheit Position beziehen, für meine Interessen eintreten oder aber mich für Plan B entscheiden. Mit diesem wiedergewonnenen Grund unter den Füßen kann ich mich ggf. abwenden und Neuem zuwenden. Diese Position der Ernüchterung macht eine echte Veränderung oftmals erst möglich.

Eine andere Stimme in mir meldet sich ziemlich schnell danach: “Das ist nicht zwingend so, sondern nur wenn es gut läuft!” Erfolgt diese ‘Wahrheit der Situation’ zu spät, nach zu viel Einsatz, oder auf eine fast zerstörende Art und Weise, kann es vielmehr zu Resignation oder Erstarrung führen. Die Betroffenen verharren in Situationen, die für Außenstehende kaum zum Aushalten erscheinen. Sie ergeben sich kraftlos den Umständen, ohne noch in der Lage zu sein, zu realisieren, dass der Treibsand durch festen Grund ersetzt wurde.

“Ja aber…” meldet sich die Mediatorin in mir. “Ist das nicht genau deine Aufgabe?! Genau das ist doch dein Job; dafür zu sorgen, dass diese Erkenntnis zwar als extrem ernüchternd aber nicht als desaströs empfunden wird. Und es ist doch dein Job, deine Klient:innen dabei zu unterstützen, so mutig zu sein, diese Erkenntnis auch zulassen zu können”.